Kunst im öffentlichen Raum: Projekte
Superumbau in Hoyerswerda
Ein Review

Das Bild der Zukunft erscheint im Gegensatz zur Utopie als Perspektive.
Lothar Kühne in „Haus und Landschaft“

Seit ein Paar Jahren konzentriert sich die Stadtforschung auf einen neuen Trend: Städte schrumpfen. Nach den viel diskutierten global cities folgen die Schrumpfstädte, die den aufgelösten Rändern und ökonomisierten Innenstädten Bilder des Verschwindens entgegenstellen. Ausgangspunkt dieser neuen Debatten ist die Situation der Städte in den neuen Bundesländern. Dort steht man den Problemen hilflos gegenüber. Was passiert mit der Stadt, wenn die Arbeitslosenzahl über 20 Prozent klettert und 1,3 Millionen Wohnungen leer stehen? Und was bedeutet es für ihre Identität, wenn ihr Existenzrecht bedroht ist? Das sind Fragen, auf die es noch keine gültigen Antworten gibt. Die Bundeskulturstiftung reagierte deshalb mit einem internationalen Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse im Herbst in den Kunstwerken in Berlin vorgestellt werden. Im Fokus der Initiative „Schrumpfende Städte“ stehen vier Stadtregionen, die jeweils eine spezifische Form von Schrumpfung charakterisieren sollen und darin stadträumliche und sozialökonomische Veränderungsprozesse abbilden. Das sind Großräume wie Halle/Leipzig und Detroit, die für Suburbanisierung stehen, das sind deindustrialisierte Regionen um Manchester und Liverpool und schließlich ist es das Gebiet nordöstlich um Moskau, das den Strukturwandel in postsozialistischen Gesellschaften stellvertretend kennzeichnen soll. „Schrumpfung“, so definiert Philipp Oswalt, Projektleiter von „Shrinking Cities“, ist letztendlich ein Sammelbegriff und erst einmal die Beschreibung eines Phänomens.1

Städte schrumpfen weltweit. Möglicherweise sind diese „überflüssigen“ Städte Teil einer globalen, migrantischen Bewegung, die sie mit den Völkerwanderungen im Übergang zum mittelalterlichen Europa vergleichbar machen. Zweifellos kann man heutzutage beobachten, wie veränderte Ökonomien und demographische Verschiebungen die Perspektiven von industriellen Ballungsgebieten beeinflussen und dabei neue Zentren bilden. Letztlich ist die Schrumpfung nur eine, wenn auch dramatische, Seite eines weltweiten Phänomens, das die traditionellen Wirtschaftsnationen in eine globale Dienstleistungsgesellschaft transformiert. Dass dieser Übergang nicht konfliktfrei vor sich gehen kann, erklärt sich vor allem aus den grundsätzlichen Fragen der gesellschaftlichen Regelung von Eigentum und Partizipation, oder zukünftig anders herum, aus der Regelung von Neuverteilung und ihrer Aneignungspraxis. In diesem Zusammenhang wandeln sich die Funktionen von Stadt- und Landschaftsräumen. Denn so wie städtische Topographien von den Landkarten verschwinden, müssen sich traditionelle Vereinbarungen auflösen, deren Ideen in der Gestaltung einer wachsenden Gesellschaft funktioniert haben. In der Schrumpfung aber geraten die Bezugsgrößen eines städtebaulichen Funktionalismus (Arbeiten - Wohnen - Freizeit) aus dem Ruder und kehren sich um. Weil ihr Versprechen von einer Wirklichkeit eingeholt wird, deren Maßstäbe sich von standardisierten Formen des Zusammenlebens verabschieden, verlieren besonders Planstädte und Plattenbausiedlungen ihre repräsentative Bedeutung als urbane Lebensform und werden negativ codiert.

In der „zweiten sozialistischen Planstadt Deutschlands“ Hoyerswerda lassen sich die verschiedenen Schrumpfungsphänomene geradezu exemplarisch beobachten. Die Neustadt von Hoyerswerda schien die Industrialisierungs- und Rationalisierungsideen der Moderne beispielhaft zu verwirklichen. In einem Zeitraum von ca. 20 Jahren wuchs die Einwohnerzahl der ehemaligen Energiearbeiterstadt von 7 000 auf 71 000 (1981) an. Die komplexe Erprobung von industriellen Bauweisen und das Tempo ihrer Umsetzung haben die Stadtentwicklung von Hoyerswerda zu einem Modellfall der sozialistischen Avantgarde gemacht. Seit der Wende schrumpft die Stadt rapide. Innerhalb von zehn Jahren halbierte sich die Einwohnerzahl, und die Stadt verwandelte sich in einen urbanen Torso. Durch die Rationalisierung von „Schwarze Pumpe“, dem ehemaligen Energiekombinat mit über 20 000 Beschäftigten, und der anschließend lahmgelegten Folgeindustrie wird die Region der Niederlausitz, in deren Mittelpunkt Hoyerswerda als postsozialistisches Fragment quasi um sein Überleben kämpft, fast vollständig suburbanisiert. So schnell sich diese Zusammenhänge herstellen lassen, so schnell sich Visionen einer entdichteten, perforierten Stadt theoretisch herstellen lassen, so viel schwerer ist es praktisch, Kommunalpolitiker und Bewohner für die neue Zukunft zu gewinnen. Denn regressive Perspektiven, sichtbare Verwahrlosung und persönliche Verlusterfahrungen machen eine positive Betrachtung des Stadtumbaus im Grunde unmöglich.

Auch wenn das im Jahre 2001 ins Leben gerufene Programm Stadtumbau Ost betroffene Städte mit 2,5 Mrd. Euro ermuntert, ihre Schrumpfung in Stadtentwicklung umzumünzen, sind die Versuche, diesen Prozess zu gestalten und zu steuern, bislang gescheitert.2
In der „Stadt der Zukunft“ ist die Arbeit verschwunden und mit der Arbeit die Zukunft. Mit der Zukunft verschwindet die Stadt. Mit der Frage wie man mit überflüssigen Städten wie Hoyerswerda umgeht, setzte sich auch das Projekt Superumbau im vergangenen Sommer auseinander.

Die Frage, ob hier ein Modellfall gelang, prototypische Umgangsformen und künstlerische Übersetzungen für die kulturelle Praxis in schrumpfenden Städten zu erfinden - wie es von einem eigens einberufenen Jury-Beirat gefordert wurde - kann selbst nach sechs Monaten nicht ohne jeden Zweifel beantwortet werden. Ohnehin ließe sich der Moment an Nachhaltigkeit, wie er sich in dieser Maßgabe transportierte, auch nur im Nachhinein beantworten. Von Anfang an war der Gedanke wichtig, Superumbau als eine Art Motivationstraining und aktivistische Kommunikationsform zu betrachten.

Der Ausgangspunkt unserer Überlegungen war, ein nachvollziehbares Verhältnis zwischen der De- und Rekonstruktion der Stadt herzustellen und zu vermitteln. Von daher spielten in der kuratorischen Rahmenvorgabe Beteiligungskonzepte und Prozessabläufe eine wichtigere Rolle als ergebnisorientierte Kunstproduktionen. Der Trick des Prozessualen war hier nicht bescheiden gemeint, sondern sollte die Energieerhaltungsgleichung von Gewinn und Verlust als ästhetisches Verfahren vermitteln. Wie wichtig dieser Ansatz werden sollte, haben die einzelnen Projekte, ihre Publikumswirkung und eine enorme Medienresonanz deutlich gemacht. Am Ende stand zwar keine Analyse des Stadtumbaus, aber auch keine verkunstete Zwischennutzung, wohl aber ein geschärftes Gegenwartsbewusstsein. Für retro-orientierte Verfahren war das ein guter Anfang.

Im Zentrum von Superumbau stand die Demontage eines Plattenbaus (P2) im Wohnkomplex 8 der Neustadt als exemplarischer Vorgang für deren Rückbau. Innerhalb des Projektzeitraums wurde das Gebäude abgerissen und von Künstlern, Theaterleuten und Filmemachern in seinen bautechnischen Einzelheiten sowie Nebenwirkungen und Folgeerscheinungen in einen kulturellen Kommentar übersetzt. Geplant war keine Verschönerungsmaßnahme zum Abriss, auch nicht die Verkunstung der Platte, sondern ein öffentlicher Umgang mit dem Rückbau einer Stadt. Den ästhetischen Grundriss für das Projekt lieferte die Künstlergruppe Marke 3000, in dem sie als eigentlichen Ausstellungsraum den Funktionsbau einer ehemaligen Kindertagesstätte vorschlug und dafür das Design entwarf. Im Sinne einer Verdichtung und Kompilation von Funktion und Bedeutung entstanden in dem schon stillgelegten Gebäude in gemeinsamer Arbeit mit den Anwohnern Präsentations- und Archivräume, ein Informationsraum zum Stadtumbau und ein Clubcafe sowie ein temporäres Künstlerhotel. Die Ausstattung folgte dem gedanklichen Leitsystem der Zwischennutzung: temporär, effektiv und preiswert.

Die Künstlergruppe Stadt im Regal analysierte in verschiedenen Medien und Standorten mit ihrer Arbeit „WK8P2ABBAU“ den parallelen Abriss. Der P2 selbst blieb in sämtlichen Phasen seines Rückbaus Leerstelle, bis am Ende eine grüne Wiese entstanden war. Zeitversetzt waren zwölf verschiedene Kommentare zum Abbau zu sehen. Während zum Beispiel die Vorbereitungen zu den Dreharbeiten für die Spielfilmcollage „Besuch bei Themroc“ (Michaela Schweiger) schon begonnen hatten, wurde eine fünfarmige, neun Meter hohe Straßenleuchte auf dem Superumbaugelände montiert und in Betrieb genommen. Birgit Schlieps markierte mit dieser ausrangierten Straßenlaterne ein funktionslos gewordenes Feld in mitten des Wohnkomplexes. Wie das von Antje Dorn und Valeska Peschke entworfene Bauschild am Rande der Baustelle, hat sie auf den Prozess des Verschwindens aufmerksam gemacht. Neben den Arbeiten im Außenraum wurde ein Baubüro eingerichtet, in dem sowohl Materialien zum Gebäude und dessen Abbau, als auch künstlerische Positionen und Assoziationen sukzessive gesammelt wurden. Thematisch setzten sich die einzelnen Arbeiten von Stadt im Regal mit der jeweiligen Abbauphase des P2 in Verbindung. Als der reale Abriss begann, wurde das Thema Wohnen in Bezug auf Aneignung von standardisierten Räumen bearbeitet, und dann das Thema der Verschränkung von Privatem und Öffentlichem forciert. So entstand ein Ideenpool als Raum für zwölf Positionen mit Bildern, Texten, Videos und Tonaufnahmen.

Unter dem Titel „Wie gestalten Sie Ihre Gesellschaft" hat die Frankfurter Künstlergruppe Finger die Dokumentation des von ihnen initiierten Wettbewerbs „evolutionäre zellen - selbstbeauftragtes Gestalten gesellschaftlicher Perspektiven“ im Jahr 2002 von der NGBK Berlin mit 15.000 Euro ausgeschrieben, gezeigt. Ausgehend von der These, dass sich gesellschaftliche Neuerungen in kleinen Gruppen oder in Mikrosystemen erproben, richtete sich dieser Wettbewerb quer durch alle Sparten und Professionen an diejenigen, die, gleich ob als Laien oder Profis, selbstbeauftragt ihr gesellschaftliches Umfeld gestalten. Die Präsentation in Hoyerswerda hat den Verlauf des Wettbewerbs von der Vorstellung der exemplarisch zusammengesetzten zehnköpfigen Jury bis hin zum Ergebnis gezeigt, das aus 312 internationalen Einsendungen bestand. Die Frage: „Wie gestalten Sie Ihre Gesellschaft?“ stellte Finger im Rahmen von Superumbau an die „evolutionäre zellen“ von Hoyerswerda. Die gesellschaftsgestaltenden Ideen der „evolutionäre zellen“ vor Ort konnten für den kommenden Wettbewerb 2004 eingereicht werden.

Der Dokumentarfilmer Dirk Lienig entdeckte während seiner Recherchen im Archiv des ehemaligen Kombinats „Schwarze Pumpe“ - heute Vattenfall - längst vergessenes Filmmaterial der 50er und 60er Jahre. Durch die Restaurierung wertvoller Filmrollen wurden interessante Zeitzeugnisse über das Renommierprojekt Hoyerswerda sichtbar gemacht. Sein eigens für Superumbau gedrehter Dokumentarfilm „Hoyerswerda - Stadt zwischen Schwarzer Pumpe und Schwarzer Elster“ erzählte die Geschichten von Menschen, deren Leben und Arbeit eng mit der Stadt verbunden sind.

Laura Bruce produzierte ein fortlaufendes Videobuch, das auf den Tagebüchern der Schriftstellerin Brigitte Reimann basierte, die von 1960 bis 1968 in Hoyerswerda gelebt hat. Während des Projektzeitraums inszenierte sie mit ausgewählten Bewohnern der Stadt eine filmische Lesung der Tagebuchnotizen.

Jan Pappelbaum entwarf das Bühnenbild für Alfred Matusches Drama „Kap der Unruhe“, als eine permanente Installation. Die detailgenaue Bühneninstallation erinnerte an die Aufbaujahre der Neustadt, daran wie aus Landschaft Städte wurden und das Leben dichter. Die Barackeneinrichtung mit Ausblick auf den im Abriss begriffenen Wohnblock Merzdorfer Straße vor den Fenstern wurde zum Geschichtsdokument.

Andrea Moses castete in der Lausitzhalle Einwohner von Hoyerswerda, um mit ihnen das Theaterstück „Kap der Unruhe“ zu lesen, um es neu zu entdecken, und schließlich um es in der räumlichen Installation von Jan Pappelbaum zu inszenieren. Während der Arbeit entstand ein Videofilm über deren Entstehung.

Andreas Schimanski produzierte den Ankündigungstrailer des Projektes als eigenständige künstlerische Arbeit in drei Teilen. In jeweils 20 Sekunden werden Wandel, Umbau, Umformatierung, Ausbau, Adaption, Privatisierung, Umformung, Abwandlung, Permutation etc. thematisiert. Der Trailer „Superumbau“ wurde im städtischen Fernsehen sowie auf den Displays von 28 Bahnhöfen deutschlandweit gezeigt.

Hugo Velarde verfasste ein Hörfeature als Begleitmaterial für Stadtrundgänge. Auf der Basis von Erinnerungen und Dokumenten des Stadtchronisten und Architekten Klaus Richter und anderen Zeitzeugen entstand eine kommentierte Erzählung über die Geschichte der Neustadt von Hoyerswerda. Anhand einer umfassenden Chronologie der Stadt wird die funktionelle Komplexität der einzelnen Wohneinheiten, ihre historische Verklammerung, ihre baupolitische Geburt und ihr Sinnzusammenhang nachvollziehbar.

Angelika Middendorf entwarf ein Großbild für eine Plattenbaufassade im Zentrum der Neustadt. Der in Hoyerswerda-Neustadt begonnene Prozess des Rückbaus - und dem daraus resultierenden Verschwinden architektonischer Symbole und Zeitdokumente einer sozialistischen Utopie - war Anlass für die Realisierung der Arbeit „Moment“, die das Verschwinden der soziologischen Einschreibungen thematisiert.
Das Großbild zeigt einen Ort, deren bereits realisierte Entwohnung sowie das Verschwinden einer gelebten Zeiteinheit, eines konkreten Identitätsmoments. Diesen Vorgang kommentiert das Zitat („Architektur ist mehr als alle anderen Künste die Angelegenheit der Massen, diese bezahlen nämlich die Rechung“) nur scheinbar, weil es dem Architekten Daniel Tieck in dem Mund gelegt wurde, als er vor 40 Jahren den Masterplan der DDR-Architektur kritisierte. In einer Momentaufnahme werden historische und gegenwärtige, reale und fiktive Elemente verdichtet. Der Rückbau der Platte, die resultierende soziographische Verortung wird über das Zitat um einen Aspekt erweitert: die Frage der Verantwortung.

Angela Lubic setzte den Titel des Projekts in überlebensgroßen Buchstaben von 2,5 Meter Höhe auf eine freigerissene Fläche in der Merzdorfer Straße des WK8. Der Schriftzug Superumbau markierte den Projekteingang als einen demonstrativen Verweis auf die retroperspektivische Stadtentwicklung.

Luc Wolff arbeitet an den Randzonen von Architektur und Stadträumen. Seine Installationen sind minimalistische Diskurse in sozialräumlichen Kontexten. Seit Anfang der 90er Jahre markiert er autonome Orte durch einfache Arbeitshandlungen, die sich einem rezipierbaren Kunstzusammenhang zunächst entziehen. Dabei geht es ihm um die Frage nach der kulturellen und darüber hinaus für den Menschen existentiellen Bedeutung des freien, unvereinnahmten Raumes. In Hoyerswerda realisierte Luc Wolff eine Textarbeit an der Fassade der Lausitzhalle im Zentrum der Neustadt.

Andreas Wegner und Peter Wächtler geben Konzerte in Einkaufspassagen und anderen öffentlichen Räumen. Indem an diesen Orten nicht genehmigte Veranstaltungen stattfinden, wird das Versprechen der Einkaufszentren, auch öffentlicher Raum zu sein, durch sie eingelöst. In Hoyerswerda sind sie unangekündigt im Zentrum der Neustadt aufgetreten.

Die Fotoarbeiten von Holger Herschel basieren bereits seit Jahren auf einer Melancholie des Verschwindens. Seine Motive konzentrieren sich auf verlassene Orte und vom Alltag gezeichnete Porträts, seine Bildperspektive auf gedehnte und periphere Räume. Der Fotoessay für Hoyerswerda hat keinen Abriss von DDR-Wohnungsbaugeschichte geliefert, obwohl diese sich wohl nirgendwo auf so engem Raum wie in Hoyerswerda vollzieht. Symbolische Orte und Gebäude der Stadt erscheinen in seinen Fotos wie beiläufig im Bild, rücken die Architekturgeschichte der Neustadt in die Praxis der Gegenwart.

Bibiana Beglau entwickelte gemeinsam mit Martin Rottenkolber für die aus den 60er Jahren stammende Einkaufspassage „Kühnichter Heide“ eine audiovisuelle Installation. Wo die Ergebnisse des ersten legendären Bildhauersymposiums von Hoyerswerda heute dahindämmern, wurde ein Schaufenster zwischen „Schlecker“ und „plus“ zu einem Ausstellungsraum. Im Spannungsfeld von genormtem Wohnraum und dessen praktischen Gebrauch haben sie in Foto- und Soundarbeit nach den Möglichkeiten von individuellem Freiraum gefragt.

Der Dramatiker und Theaterregisseur Armin Petras inszenierte eine szenische Urlesung des Textes „Das Denkmal“ aus dem Nachlass von Einar Schleef. Die Personage: die Schwester Elly und die Mutter Gertrud auf dem Kyffhäuser. Petras nutzte den entkernten Neubaublock als Kulisse und den Wäscheplatz davor als Bühnenraum, auf dem Schauspieler und Zuschauer unmittelbar aufeinander trafen. Die Distanzlosigkeit des Textes von Schleef verband sich mit dem Hoyerswerdaer Alltag zu einer politischen Konfrontation bis hoch in den Bundestag. Spätestens hier begann Hoyerswerda modellhaft zu schrumpfen.



Anmerkungen
1: Aus einem Interview mit Philipp Oswalt und Anke Hagemann in der Zeitschrift Arch +, Nr. 168 (2004). Das Initiativprojekt Schrumpfende Städte lobt einen internationalen Wettbewerb zur Gewinnung von neuen Handlungsideen in schrumpfenden Städten aus. Registrierung zur Teilnahme bis zum 15. April 2004 unter www.shrinkingcities.com.

2: Schrumpfung ist nicht nur - wie es bei Philipp Oswalt heißt, ein ungewollter, sondern auch ein unumkehrbarer Prozess, der wiederum nicht nur unser bisheriges Verständnis von Stadt und Stadtentwicklung in Frage stellt, sondern zugleich auch neue Verwertungsfelder eröffnet, deren kritische Betrachtung im Angesicht der schwindenden finanziellen Ressourcen längst fällig geworden ist. Dies umso mehr als dass sich Stadtumbauprogramme in Quartiersmanagement und Infrastrukturmaßnahmen neodemokratischer Praxen bedienen.



SUPERUMBAU in Hoyerswerda Neustadt
15. 08. 2003-27. 09. 2003

Ein Kunstprojekt zur Erforschung urbanen Lebens in schrumpfenden Städten; zur symbolischen Dimension des Plattenbaus; zu Möglichkeiten sozialer Orientierung durch experimentelles Handeln in Hoyerswerda

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Bibiana Beglau/Martin Rottenkolber; Laura Bruce; FM Einheit/Caspar Brötzmann; Finger mit Martin Brandt, Florian Haas, Claudia Hummel, Andreas Wolf; Holger Herschel; Dirk Lienig; Angela Lubic; Marke 3000; Angelika Middendorf; Andrea Moses/Jan Pappelbaum; Armin Petras; Andreas Schimanski; Stadt im Regal mit Tina Born, Antje Dorn, Ursula Döbereiner, Kerstin Drechsel, Friederike Feldmann, Heike Klussmann, Valeska Peschke, Birgit Schlieps, Katharina Schmidt, Michaela Schweiger, Markus Strieder, Daniela von Waberer; Hugo Velarde; Peter Wächtler und Andreas Wegner; Luc Wolff

Projektleitung:
Dorit Baumeister für Spirit of Zuse e.V.
Kuratoren: Ute Tischler und Harald Müller

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Stiftung lebendige Stadt, die Wohnungsbaugesellschaft mbH Hoyerswerda und die Kulturfabrik Hoyerswerda

Diskurs Schrumpfende Städte
„Rechtsradikalismus, eine Begleiterscheinung städtischer Schrumpfung“, Berlin, Ende Juni 2004
„Schrumpfung / Schrumpfung, „Die unterschiedlichen postfordistischen Transformationen, Berlin, September 2004

www.superumbau@spirit-of-zuse.de
www.shrinkingcities.com und www.bpb.de

Ute Tischler, kunststadt stadtkunst 51 (2004), Seite 33 und 34