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STADT IM REGAL - Brache
Materialsammlung / Work in progress (seit 2019)

Brache as (is) a state of mind...


Adolph Menzel: Berlin, Südliche Friedrichstadt, Hinterhof in der Zimmerstraße, 1845
Eine Brache (regional auch Gstettn) ist ein aus wirtschaftlichen, regenerativen oder anderen Gründen unbestelltes Grundstück (Acker oder Wiese). Auch jedes Grundstück, das sich einmal in menschlicher Nutzung befand, welches aber wieder aufgegeben wurde und möglicherweise Spuren hinterlassen hat, kann als brach liegend bezeichnet werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Brache


»Formlose Leere« Der Grund ist nur Träger, er ernährt unser Bewußtsein, ist aber kein Grund zum Bauen. Raoul Bunschoten, »Aiperon« oder Chaos verkörpert


Quelle: moz.de, Brache Friedenstaler Platz, Bernau, 2016


Dritte Landschaft
Das sich überlassene Brachland (darunter fallen etwa Feld- und Straßenränder, Raine, Hecken usw.), das ein Refugium der Artenvielfalt neben den Reservaten und den primären Ökosystemen darstellt. Die Herkunft des Begriffs der Dritten Landschaft verweist nach Angabe des Autors Gilles Clément auf den dritten Stand zur Zeit der französischen Revolution, der - um ein zeitgenössisches Pamphlet zu paraphrasieren um "alles" ist, vorher "nichts" war und hofft "etwas" zu werden. Anders ausgedrückt: Die Dritte Landschaft bildet ein no man's land zwischen der Macht und der Unterwerfung unter eine Macht - und durch seinen Beitrag zur Biodiversität leistet sie implizit "Widerstand gegen den planetarischen Schmelztiegel" Gilles Clément, Manifest der Dritten Landschaft


Ruderalflächen (von lat. rudus: Schutt, Trümmer) sind Sekundärwildnisse wie zum Beispiel Wegränder, Bahndämme, Ödplätze und stillgelegte Industrieanlagen. Solche und ähnliche Unberühmte Orte beginnen sich um 1919 in der Literatur des Magischen Realismus bei 'unberühmten' AutorInnen wie zum Beispiel Oskar Loerke, Wilhelm Lehmann und Elisabeth Langgässer herauszubilden. Die Trümmerliteratur nach 1945 (Heinrich Böll, Günter Eich etc.) hat diese Topographien beerbt und radikalisiert. In der Literatur zum Mauerfall (ab 1989) haben Ruderalflächen bei ostdeutschen Autoren wie zum Beispiel Wolfgang Hilbig und Reinhard Jirgl dann wieder Konjunktur. Der Topos der Ruderalfläche erweist sich dabei immer wieder als eine zentrale poetologische Reflexionsfigur der Texte. Burkhard Schäfer, Unberühmter Ort


Mark Fisher: Gespenster meines Lebens,  Auszüge aus: »Immer auf der Suche nach einer Zeit, die gerade zerrinnt« - (...)

Es herrscht eine restaurative und reaktionäre Stimmung, doch die Rede ist von Modernisierung; soziale Spaltung und Ausschluss - um London zu einem sicheren Ort für die Superreichen zu machen - heißen dementsprechend Erneuerung und Entwicklung. Der Kampf um Raum ist zugleich ein Kampf um Zeit und darum wer sie kontrolliert. Widerstand gegen die neoliberale Modernisierung bedeutet (so erklärt man uns allenthalben), sich der Vergangenheit zu verschreiben. (...)

Wo einmal inmitten der Stadt Berge aus alten Kühlschränken und verlassenen Fabrikhallen in einer an Tarkowski und Ballard erinnernden urbanen Wildnis zu finden waren, wächst nun eine viel langweiligere Wüste: Räume, die man durchstreifen könnte, sind eliminiert, sie wichen Einkaufszentren und olympischen Wettkampfstätten mit Verfallsdatum. (...) analgetische Vision der Metropole im Sinne der »Kreativindustrie«. Alles darin wird zu einer Werbekampagne. Alternativen werden nicht einfach nur überschrieben (oder eliminiert) sondern zu Simulakren ihrer selbst.

Tatsächlich ist Raum die Ware überhaupt. Der Trend setzte vor mehr als dreißig Jahren ein und verstärkte sich mit der Privatisierung des sozialen Wohnungsbau sowie der Streichung öffentlicher Programme, um schließlich in der Hyperinflation der Wohnraumpreise zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu kulminieren. Um den wachsenden kulturellen Konservatismus in der Metropole zu erklären, die Eroberung Londons durch die Kräfte der Restauration, genügt der Blick auf diese Entwicklung. Wie Jon Savage in England's Dreaming beschreibt, war das London des Punk eine immer noch ausgebombte Stadt voller Lücken, heruntergekommener Räume und leerer Häuser, die man vorübergehend besetzen und bewohnen konnte. Nachdem diese (Frei-)Räume beseitigt waren, fließt praktisch die gesamte Energie der Stadt in Mieten und Hypothekenzinsen. Für Experimente, für Streifzüge, bei denen man nicht weiß, wo sie hinführen, bleibt keine Zeit. Ziele und Absichten müssen von vornherein klar sein. »Freizeit« bleibt der Erholung vorbehalten.

Es geht um eine Kunst kollektiven Genießens, in der - zumindest für einen Augenblick - eine Welt jenseits der Arbeit aufscheint und erfahrbar wird. Vergeudete Zeit, verlorene Nachmittage, Unterhaltungen, die ausufern und dahintreiben wie Rauch, stundenlange Spaziergänge ohne bestimmtes Ziel, (...) die Generation all jener, denen es niemals gelang, sich mit der durch den Triumph des Neoliberalismus aufgezwungenen »Realität« zu arrangieren. (...)

Oder wir können aus dem dystopischen London fliehen, ohne die Stadt zu verlassen, (...) sichere Korridore durch das besetzte Gebiet wählen, (...) sichere Passagen durch »kommerzialisierte Territorien der Kontrolle«.



Ballungsraum/ Agglomeration Tokyo


Bodenverdichtung / Landnahme

Die Böden Deutschlands müssen einiges aushalten. Die Liste der täglichen Belastungen geht von Schad- und Nährstoffen über die Bebauung mit Straßen und Häusern bis hin zum Verlust des Bodens durch Erosion. Veränderungen des Klimas verändern auch den Werdegang eines Bodens. Intensives Wirtschaften auf Böden kann sein Gleichgewicht dauerhaft stören. https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/bodenbelastungen


Anthropozän / globale Entwicklung

Wirtschaftswälder, urbane Anthrome, bewässerte Anbauflächen....

(...) Seit seinem Auftreten vor zirka 200 000 Jahren hat Homo sapiens seine Umwelt verändert: Anfangs unmerklich, seit der neolithischen Revolution vor gut 12 000 Jahren spürbar und seit Beginn der industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts radikal. Heute ist sein Einfluss auf die Natur und das globale Ökosystem so tief greifend, dass der niederländische Meteorologe Paul Crutzen vorschlug, den jetzigen Abschnitt der Erdge-schichte, bislang als Holozän bezeichnet, in "Anthropozän" umzubenennen. (...)

Evolutionsbiologen Edward O. Wilson, der den heutigen Verlust an Biodiversität einmal auf das Zehntausendfache des natürlichen Schwundes beziffert hat. Es geht bei dem sechsten Sterben um den aktuellen Niedergang der Biosphäre, der anders als die fünf vorherigen Katastrophen der Erdgeschichte keinen natürlichen Ursprung hat, sondern ausschließlich auf dem demografischen und wirtschaftlichen Expansionsdrang einer einzigen Spezies beruht - jener Primatenart, die sich selbst den Namen Homo sapiens gegeben hat. "Das sechste Sterben" umreißt einmal mehr den gravierenden Einfluss der menschlichen Spezies auf das ökologische Gleichgewicht in der Welt. Dieser Einfluss wirkt sich mittlerweile so dramatisch aus, dass er den Titel des Buchs voll und ganz rechtfertigt. Die fünf großen Artensterben der Vergangenheit sind durch verschiedene, vom Menschen unabhängige Phänomene verursacht worden, etwa Eiszeiten oder Meteoriteneinschläge. Wir entscheiden demnach, "welche Evolutionswege offen bleiben und welche für immer geschlossen werden". Der Globus teile sich stattdessen in unterschiedliche, aber durchweg vom Menschen beeinflusste Zonen auf, so genannte anthropogene Biome oder Anthrome - etwa in "Wirtschaftswälder", "urbane Anthrome" oder "bewässerte Anbauflächen".

(...) wie die heutigen Kohlendioxid-Emissionen die Weltmeere langsam, aber sicher versauern. In gerade mal 100 Jahren haben wir mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, als unter natürlichen Umständen in ein paar Hunderttausend Jahren entstehen würde. In 50 Jahren haben wir eine Ozeanversauerung herbeigeführt, wie es sie vermutlich seit 50 Millionen Jahren nicht gegeben hat. Wird dieser Trend nicht gestoppt, wofür derzeit wenig spricht, dürften kalkbildende und kohlendioxidschluckende Organismen wie Foraminiferen und Flügelschnecken unter der Säurelast irgendwann ihre Arbeit einstellen, und die natürliche Entsorgung des Kohlendioxids würde erlahmen. Dann könnten auch die Korallenriffe aufhören, Kalk zu bilden, die Gigabauwerke begännen zu zerbröseln und fielen als wichtigstes Ökosystem der Meere aus. Anderenorts würde sich das Klima in den Regenwäldern so schnell verändern, dass viele Arten kein neues Zuhause finden können, auch weil jeder denkbare Fluchtort schon vom Menschen und von seinen Soja- und Eukalyptusplantagen besetzt ist.

Das sechste Sterben: Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt, Elizabeth Kolbert, 2014



Palermo, 2018


Wilde Plätze, Verlorene Räume ...

»Leerstellen«, »Nullpositionen« oder »Unbestimmtheitsstellen«, »manque«, »lacune«, »Sprung«, »Diskontinuität«, »Motivationslücke«, I would prefer not to... »Eine Leerstelle läßt sich grob definieren als eine versteckt oder offen markierte Abwesenheit.«



Quelle: Rosa Loch (@Schambehaarung) | Twitter


Leere... Atmung der Leere und Weite

Qing-jing - vide médian - mittlere Leere François Cheng, Fülle und Leere (2004) Idee des vide médian,der mittleren Leere: Darin geht es um chinesische Malerei und Zeichnung in der Tradition des Taoismus in der häufig 2/3 des Bildraums leer bleiben. Der "Hauch des Atems", das nicht stoffliche soll so visualisiert werden.

À tout sentiment humain peut correspondre un paysage naturel qui en exprime la teneur ; de même, tout spectacle qu'offre la nature peut être transcrit par un mouvement de l'âme humaine...

François Cheng,2004

Eine Leerstelle lässt sich grob definieren als eine versteckt oder offen markierte Abwesenheit.




Der Begriff der Leerstelle: In den Jahren zwischen 1927 und 1936 hat der polnische Philosoph Roman Ingarden den Begriff der Unbestimmtheitsstelle formuliert. Ingarden unterscheidet dabei das konkrete Erlebnis des Kunstwerks von seinem materiellen Träger. Für Ingarden sind Kunstwerke schematische Gebilde, die selbst nicht vollständig in aller Hinsicht ausformuliert sind, sondern nur in bestimmten Ansichten oder Hinsichten. So zeigt z. B. die Fotografie einer Person, die von der Rückseite aufgenommen wurde, nicht ihr Gesicht. Es bleibt im Gegensatz zu einer realen Person, die sich umdrehen kann oder die der Beobachter umschreiten kann, auf immer und ewig unbestimmt. Das Gesicht bleibt eine Leerstelle. Es kann nur durch subjektive Vorstellungen des Betrachters ergänzt werden. Dies ist nur ein sehr einfaches Beispiel für eine Leerstelle. Denkbar sind aber viele verschiedene, auch wesentlich komplexere Arten von Leerstellen, die durch Bilder und speziell durch Fotografien kognitive Irritationen auslösen können. (...) Die Leerstellen sind also die entscheidenden Auslösemomente oder Konfigurationen, die das kognitive System durch Irritation aktivieren. Sie führen zu kognitiven Konstruktionen des Beobachters, die weit über das am Gegenstand Beobachtbare hinausgehen und zwar in unvorhersehbarer, unkontrollierbarer und nicht vom Gegenstand her abgesicherter Weise...



Ma ()

(...) is a Japanese word which can be roughly translated as "gap", "space", "pause" or "the space between two structural parts." The spatial concept is experienced progressively through intervals of spatial designation. In Japanese, ma, the word for space, suggests interval. It is best described as a consciousness of place, not in the sense of an enclosed three-dimensional entity, but rather the simultaneous awareness of form and non-form deriving from an intensification of vision.
Ma is not something that is created by compositional elements; it takes place in the imagination of the human who experiences these elements. Therefore, ma can be defined as experiential place understood with emphasis on interval.

Ma has also been described as "an emptiness full of possibilities, like a promise yet to be fulfilled", and as "the silence between the notes which makes the music.
https://en.wikipedia.org/wiki/Ma_(negative_space)


Sense of Space / Sense of Place

The Three-Dimensional Realm (ku-kan) Space (literally: empty place)

The first character in this word originally stood for a "hold in the ground", and later took on its present meaning of a "hole in the universe" or "the sky." Ono Susumu suggests that the ancient Japanese divided space vertically into two parts. One was sora ( , sky), which was understood as absence of content, emptiness. The other was ame or ama ( , heaven), which was the opposite of kuni ( , region, realm, government) and thus meant an earthly area of habitation and rule. Today ku is used for "empty" in the simple physical sense, and for "void" in Buddhist metaphysics. The compound ku-kan and for "void" in Buddhist metaphysics. The compound ku-kun is of recent origin. It was coined to express the concept of three- dimensional objective space which was imported from the West, for which the Japanese language had no word of its own. (The Western concept was, and still is, inherently static and unchanging, without any dynamic sense of variation or human subjectivity. It is merely three-dimensional.)

Ma ga warui or its opposite, ma ga umai, is often used an aesthetic judgment of Japanese calligraphy or sumi- e painting. Compared with Western painting, these Sino-Japanese art forms involve large unpainted areas. Anyone practicing calligraphy soon realizes that pro ciency lies not merely in mastering the form of the characters, but also in the relationship of the form to the surrounding non-form. This balance of form and space will always be taken into account in the final artistic judgment.

(... )This "experience" - the word has to be used in quotation marks now - of consciousness is the "experience" of the "void", of "no-thingness", of "emptiness". It is therefore not a philosophical or aesthetic concept, but a notion derived from personal experience, a notion both beside and beyond the personal experience, a notion both beside and beyond the experience of our physical world. It does not deny it. It is based on the reversal of the usual ow of our energy.


Hole / Void / White Space

(... )The atom itself, the supposed building-block of matter, was no longer an object, but an energy - points of light surrounded by empty space. What does it mean to talk in terms of positive and negative, when the negative space has become filled with meaning ? (...)
Jeanette Winterson, The hole in life / About Barbara Hepworth sculptures, 2003



Ohaguro (jap. , zu dt. "Zahnschwärzen")


ca.1908) A woman from Tonkin, Vietnam, with black-painted teeth



Stadtinseln


Hermann Janssen, Projekt für Gross-Berlin, Grünflächenplan, 1909-1910



Alison & Peter Smithson, Verbindungen und »Flucht-Routen«, 1988


Communities of Compost


Donna J. Haraway, Staying with the trouble, Making Kin in the Chthulucene. Chapter Eight, The Camille Stories (2016)



Anna Halprin, Blank Placard Dance, San Francisco, 1960er Jahre